POTTASCHE-HERSTELLUNG
AUS BUCHENASCHE IN WALLAU

aus Adolf Menges:
Geschichte und Kulturkunde des Dorfes Wallau an der Lahn,
Band 1, 1936, S. 448f

Die Gewinnung der Pottasche in Kalzinieröfen

Die bedeutenden Buchenbestände unserer ausgedehnten Wälder in den Wallauer Bergen hatten zur Folge, dass in den vorigen Jahrhunderten fast ausschließlich Buchenholz als Heizmaterial verwendet wurde. Dazu kamen für die Wallauer noch die Gerechtsamen der Ortsbürger, aus den fiskalischen Waldungen und aus den Forsten der Freiherrn von Breidenbach Wurzelstöcke, „unfruchtbares Holz“, Leseholz, Astreisig bis zu zwei Zoll (knapp 3cm) Stärke kostenlos zu beziehen.

Holzasche

Bei der Feuerung mit nur Buchenholz ergab sich viel Holzasche, deren Verwertung als Wiesendünger nicht allgemein geschah. Vielmehr wurde diese an die Aschenbrenner verkauft. „1715. Stephan Fuchs ein Eschenbrenner“ lässt ein Kind taufen. Hier in Wallau, in Schäferdingels Haus, heute Jakob Grebe VII., und in Mones Haus waren Vorrichtungen zum Asche kochen. Die Buchenholzasche – nur solche durfte es sein – wurde nach Mesten gekauft; eine Meste wurde mit 25, später mit 40 Pf. bezahlt. Der Käufer trat gegen die Meste, damit jeder Hohlraum mit Asche ausgefüllt wurde und die Asche sich richtig setzte. Buchenholzasche enthält etwa 15,40% kohlensaures Kali, 2,27% schwefelsaures Kali, 3,40% kohlensaures Natron und geringe Mengen Chlornatrium, dagegen aber 78,73% unlösliche Bestandteile.

Asche kochen

In großen Kesseln wurde die Asche gekocht, nachdem sie mit einem entsprechenden Maß Wasser übergossen war. Nun musste der Aschenbrenner genau achten, wenn sich auf der Oberfläche eine Haut bildete, die man „Mutter“ nannte, dann war der Zeitpunkt gekommen, das Kali von den Aschenresten zu trennen; letztere wurden gegen geringe Entschädigung vornehmlich an die Wittgensteiner abgegeben.; sie vermehrten den Graswuchs auf den Wiesen. Damit war die Tätigkeit der Aschenbrenner erschöpft, aber noch kein kohlensaures Kali oder Pottasche gewonnen. Dieses Kali aus der Holzasche wurde aus der näheren und weiteren Umgebung in das „Kalzinerhaus“ geliefert oder von Mones Henkel herbeigefahren.

Versteigerungen

Aus den Wittgensteiner Akten geht hervor, dass schon im 18. Jahrhundert die Henkel aus Wallau sich an den Pottaschenaufkäufen im Wittgensteinischen beteiligten. Auf einer großen Versteigerung am 18. Mai 1789 erschienen als Käufer 1. Heinrich Henkel aus Wallau, 2. Friedrich Müsse aus Weidenhausen, 3. Johann Heinrich Menn von Erndtebrück. Es sollten 40 Zentner Pottasche gegen Höchstgebot in diesem Termine abgegeben werden. Es wurden für den Zentner 12 Gulden angeboten. Heinrich Henkel erhielt mit seinem Höchstgebot von 18 Gulden 5 Albus pro Zentner den Zuschlag.

Kalzinieren

Dieses Absud aus der gekochten Holzasche musste „kalziniert“ werden. Im Volksmund nannte man es „kanzenieren“. Sodann wurde es Pottasche. Dieses geschah in Wallau in der Nähe des Brauhauses (sogenannt, weil darin vordem eine Bierbrauerei war); dort stand ein sogenannter Kalzinierofen, der auch dem Henkel aus Mones Haus gehörte. In diesen großen Ofen mit seitlicher Feuerung kam das Kali hinein und wurde mit eisernen Schaufeln umgerührt, bis es unter Einwirkung der Hitze fein wie Mehl war. Wasser und Kohlensäure waren nun entfernt und die organischen Stoffe verbrannt. Das war dann die Pottasche, die für teures Geld an die Bäcker verkauft wurde. Die Verwendung beim Brot- und Kuchenbacken zeigte sich in dem erheblichen Steigen des Teiges und in den hohen Broten.

Das Produkt – Pottasche

Kalzinierte Pottasche ist weiß, grau, gelblich, hart, leicht porös, nicht kristallinisch, sehr hygroskopisch, bis auf 3% im Wasser löslich und enthält 70 bis 90% kohlensaures Kali. Außer den Bäckern wurde die Pottasche zur Herstellung von Schmierseife, bei der Glasfabrikation, in Färbereien und Bleichereien, bei der Wollwäscherei, in den Konditoreien und in den Schnupftabakfabriken benutzt. Bei den Fabrikaten der Oetkers Backpulvern spielt sie auch eine Rolle. Der Verdienst aus der Herstellung der Pottasche war gut, wenn auch die Preise schwankten.

(c) www.hinterländer-backhaus.de · Letzte Änderung: 05. Juni 2011