BACKORDNUNG
für unsere Ortsbürger der Gemeinde Wallau
vom 9. Dezember 1883

Anm.: Die Backordnung habe ich sprachlich ein wenig angepasst und offensichtliche Fehler korrigiert. Die einzelnen Paragraphen haben im Original keine Überschriften. RW

§ 1 Anheizen

Das Anheizen des Backofens findet durch die Ortseinwohner, welche den Backofen für ihren oder ihrer Angehörigen Bedarf nutzen wollen und nach der Reihenfolge statt: In der Regel jeden Montag oder, wenn dieses ein Festtag ist, am darauf folgenden Werktag. Im Sommer vom 1. April an um 5 Uhr und im Winter vom 1. Oktober an um 6 Uhr morgens.

§ 2 Losen

Das darauf folgende Backen wird durch das Los bestimmt, welches an jedem nächstvorhergehenden Werktag mittags 11 Uhr unter denjenigen, welche sich dazu anmelden, gezogen wird, wobei Niemandem mehr als ein Los und denjenigen, welche zusammen backen wollen, nur ein Los zu Teil wird.

Wen das Los eins betrifft, muss unter allen Umständen anfangen oder wird mit Geldstrafe von zwanzig Pfennig bis einer Mark bestraft oder ausgewiesen, im Fall er sich nicht mit dem nächstfolgenden abfindet.

§ 3 Reihenfolge beim Backen

Die bestimmte Reihenfolge muss immer streng eingehalten werden. Nur ausnahmsweise und aus erheblichen Gründen ist eine Vertauschung gestattet und ist dem Vorstand Anzeige dessen zu machen. Ausdrücklich untersagt ist es, mehrere Tage hintereinander mitzulosen, um dadurch eine passende Nummer zu erhalten, nur zweimal hintereinander darf mitgelost werden.

§ 4 Säuberung

Wer gebacken hat, muss sogleich Backofen und Vorplatz von Asche und sonstigen Verunreinigungen säubern.

§ 5 Nachfolger

Der nachfolgende Bäcker darf jedes Mal den Backofen nach seinem Vorgänger nicht länger als eine Viertelstunde unbenutzt stehen lassen.

§ 6 Beschädigungen

Beschädigungen und Verunreinigungen des Backofens oder Backhauses müssen durch ordnungsgemäßen Gebrauch entstehen, und werden, insofern sie nicht schon anderen Strafbestimmungen unterliegen, nach Maßgabe der Backordnung bestraft.

§ 7 Holzgebrauch

Das zum Heizen verwendete Holz muss gehörig klein gemacht sein, sodass der Backofen hierdurch keinen Schaden leiden kann.

§ 8 Sonstige Nutzung

Jede andere Benutzung des Backofens, als zum gewöhnlichen Backen, nämlich Dörren, Rösten, Braten und der gleichen kann vorausgesetzt, dass dadurch keine sonstige Verordnung übertreten wird nur wenn der Backofen unbenutzt steht und nur mit Genehmigung des Vorstandes stattfinden.

§ 9 Streitigkeiten

Im Falle einer Streitigkeit der Beteiligten, die bei Benutzung des Backofens stattfindet, fällt das Königl. Landratsamt, oder falls der Vorstand für maßgebend erachtet wird, die Entscheidung.

§ 10 Geldstrafen

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden mit einer Geldstrafe von 50 Pfg bis 3 Mark bestraft, oder (es wird) sogar ausgewiesen. Das Geld fließt der Backhauskasse zu, und über die Bestrafung hat der Vorstand zu bestimmen und zu veranlassen.

§ 11 Beitrag

Den jährlichen Beitrag hat der Vorstand je nach Bedarf anzusetzen.

§ 12 Zahlungssäumnis

Alle diejenigen, welche ihren bestimmten Beitrag nicht regelmäßig bezahlen, können ausgewiesen oder auch gerichtlich belangt werden, hierüber hat der Vorstand zu bestimmen.

§ 13 Rückstände

Der Rechner ist verpflichtet, die rückständigen Beiträge gerichtlich beizutreiben, so dass bei Rechnungsablage sämtliche Gelder eingegangen sind.

§ 14 Rechnungsablage

Die Rechnungsablage geschieht jedes Jahr im Dezember, der Rechner verwaltet die Backhauskasse, er ist berechtigt, Einnahmen zu quittieren, darf aber nur auf Grund des I. Vorstandes und Kontrolleurs vollzogenen Anweisung gegen Quittung aus der Backhauskasse Zahlung leisten.

§ 15 Vorstand

Jede Versammlung ist beschlussfähig und es wird jedes Jahr eine neue Wahl vorgenommen.

Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern.

1. ein Vorsteher,
2. ein Rechner,
3. ein Kontrolleur.

§ 16 Teilhaber und sonstige Nutzer

Alle diejenigen Unterzeichnenden, welche kein Anteil an dem Backhaus haben, verpflichten sich zu den vorhergefundenen Bedingungen und haben dasselbe Recht mit dem Backen und Dürren wie die Teilhaber, dagegen bezahlt ein jeder von denselben pro Jahr 1,20 M, es kann aber mehr oder weniger erhoben werden. (Für) diejenigen, welche Anteil haben wollen, kostet (es) 20 M und kann ebenfalls nach Umständen erhöht werden.

§ 17 Ausstoß

Es steht den Teilhabenden frei und (sie) haben das Recht, falls die Unterzeichnenden gegen eine der in dieser Backordnung enthaltenen Bestimmungen handeln sollten, (die Betreffenden) ohne weiteres auszustoßen.

v(erlesen). g(enehmigt). u(nterzeichnet).
Der Vorstand.

(c) www.hinterländer-backhaus.de · Letzte Änderung: 02. März 2011